Neuer ISO-Standard für die Notation von Business Reporting
von Mario Rosenfelder
Standardisierung macht Sinn! ─ In ganz vielen Bereichen profitieren wir bereits von Standards, die schon vor Jahren, Jahrzehnten und manchmal auch schon vor Jahrhunderten definiert wurden. Denken wir zum Beispiel an die Musik: Unser Notensystem geht auf das frühe 11 Jahrhundert zurück, wurde immer weiterentwickelt und heute wird Musik weltweit einheitlich dargestellt. Auch in der Technik gibt es Normen, welche die Darstellung von technischen Zeichnungen oder chemischen Formeln regeln. In der Technik dominieren die ISO-Normen der "International Organization for Standardization". Die ISO ist ein Netzwerk von nationalen Normungsinstituten aus über 160 Ländern. Deutschland wird vom "Deutschen Institut für Normung", kurz DIN, bei der ISO vertrete.
Im Bereich der Dokumentation von Geschäftszahlen fehlt bis heute ein solcher internationaler ISO-Standard. Das wird sich jedoch schon in naher Zukunft ändern!
IBCS-Notation wird zu ISO 24896
Mit der ISO 24896 wird es erstmals eine internationale Norm für die Darstellung von Business Reports geben. Die neue ISO-Norm baut auf den ursprünglich von Prof. Dr. Rolf Hichert entwickelten Hichert SUCCESS Regeln auf, welche in weiterer Folge in leicht abgeänderter Form in die IBCS-Standards überführt wurden.
Die IBCS-Standards sind vor allem am DACH-Markt bestens bekannt und haben auch bereits internationale Bedeutung erlangt. Sie werden von der IBCS ASSOCIATION, einem gemeinnützigen Verein verbreitet und weiterentwickelt. Prof. Dr. Rolf Hichert ist bis heute der Präsident des Vereins und führt gemeinsam mit Dr. Jürgen Faisst federführend den Verein.
Hichert definierte für jeden Buchstaben des Wortes SUCCESS ein Schlüsselwort und Regeln:
- SIMPLIFY: Empfiehlt Überflüssiges zu vermeiden: Verzicht auf Hintergründe, Schatten, 3D, Gitternetzlinien und vieles mehr.
- UNIFY: Darstellungen sollen vereinheitlicht werden: Gleiches soll gleich aussehen. Ist, Plan, Forecast und Vorjahreswerte werden immer gleich dargestellt, egal ob in Tabellen oder Grafiken.
- CHECK: Adressiert die Integrität von Grafiken und Tabellen. Es geht darum, einheitliche Skalierungen, gleiche Intervalle und Ausreißer Indikatoren zu verwenden.
- CONDENSE: Die Informationsdichte soll erhöht werden. Das menschliche Gehirn ist nicht in der Lage auf Basis von sequenziellen Bildern Entscheidungen zu treffen. Viel leichter können wir aus einem Cockpit mit gleichen oder verschiedenen Kennzahlen, welche wir gleichzeitig sehen, wirtschaftliche Schlüsse ziehen. Hier setzt auch das von uns entwickelte ONE PAGE Prinzip an. Mehr zum ONE PAGE Reporting erfahren Sie hier.
- EXPRESS: Zielt darauf ab, dass geeignete Visualisierungen verwendet werden.
- STRUCTURE: Ist auf die logische Gliederung der Inhalte fokussiert.
- SAY: Botschaften sollen vermittelt werden, welche eine Feststellung, Erklärung und Empfehlung beinhalten.
IBCS Version 1.2
Bereits als aus den SUCCESS-Regeln die IBCS-Standards wurden, erfolgte eine Untergliederung:
- Semantische Regeln: Regeln zur standardisierten Darstellung (UNIFY)
- Perzeptuelle Regeln: Regeln zur Wahrnehmung (EXPRESS, SIMPLIFY, CONDENSE, CHECK)
- Konzeptionelle Regeln: Regeln zum Berichtsaufbau (SAY, STRUCTURE)
Ich persönlich bin mit dieser Gliederung jedoch nie so richtig warm geworden und habe weiterhin mit der SUCCESS-Struktur gearbeitet.
IBCS Version 2.0
Mit der IBCS Version 2.0 kommt eine neue Gliederung:
- Visuelle Notation: Sie fasst die Regeln zur standardisierten Darstellung UNIFY, SIMPLIFY und CHECK zusammen.
- Komposition: Sie fasst die Regeln zur „Komposition“ überzeugender Berichte SAY, STRUCTURE, EXPRESS und CONDENSE zusammen.
Diese Aufteilung gefällt mir persönlich und lässt sich auch mit dem Eingangsbeispiel der Musik sehr gut veranschaulichen. Die neue Gliederung schafft Klarheit, indem sie die formale Notation ─ die visuelle Sprache ─ von der kreativen Komposition ─ der zu erzählenden Geschichte ─ trennt.
ISO 24896
Die Gliederung aus der IBCS Version 2.0 hilft uns auch zu verstehen, welche Teile der IBCS-Standards zur ISO 24896 werden. Die neue ISO-Norm zielt primär auf die visuelle Notation mit UNIFY, SIMPLIFY und CHECK ab. Die Aspekte der Komposition, der Wahrnehmung, werden darin nicht berücksichtigt.
Damit ist die ISO 24896 ein fokussierter Standard, der sich ausschließlich mit den Regeln der visuellen Notation befasst. IBCS 2.0 hingegen ist ein umfassendes Rahmenwerk, das sowohl standardisierte Notation als auch die Prinzipien effektiver Komposition abdeckt. Selbst innerhalb des gemeinsamen Themas Notation bieten die IBCS-Standards mehr Details und umfassendere Beispiele als der ISO-Standard. Das ist auch so beabsichtigt, denn ISO-Standards sind bewusst kurzgefasst, um als universelle Grundlage zu dienen, während Implementierungsleitfäden wie die IBCS-Standards die notwendigen Details und Beispiele für die Praxis liefern.
Welchen Nutzen hat der ISO-Standard und lässt sich dieser überhaupt messen?
Hierzu möchte ich schon einmal vorab auf eine aktuelle Studie der TU München verweisen, deren finale Ergebnisse voraussichtlich Anfang Juni vorliegen werden. Nach den vorläufigen Ergebnissen können wir damit rechnen, dass Berichtsempfänger im Bereich Finance & Sales mit den IBCS-Standards rund 40% schneller Entscheidungen treffen, die gemachten Entscheidungen beinhalten dabei bis zu 40% weniger Fehler! Ich denke, dass ist ein sehr starkes Argument für die neue ISO-Norm und die IBCS-Standards.
Sie möchten die IBCS-Standards in Ihrem Unternehmen einführen? Dann kontaktieren Sie uns. Wir unterstützen Sie gerne bei der inhaltlichen und technischen Implementierung der IBCS-Standards und der neuen ISO Norm 24896.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Mario Rosenfelder
Neu im Angebot: Inhouse Tagesworkshop
In diesem eintägigen Workshop erlernen Sie die Grundlagen der IBCS-Standards auf Basis der von Prof. Dr. Rolf Hichert entwickelten SUCCESS-Regeln! Zudem erfahren Sie, welche Teile der IBCS-Standards sich in der neuen ISO 24896 "Notation for Business Reporting" wiederfinden und wie Sie Ihr Reporting entsprechend dieser beiden Standards realisieren.
Zusätzlich zeigt ich Ihnen, wie die Implementierung des ONE PAGE Prinzips funktioniert und worauf Sie achten müssen, damit Ihr Reporting die nachhaltige Umsetzung der Unternehmensstrategie optimal unterstützt.
Das erlernte Wissen wird direkt im Workshop auf Fallstudien und gerne auch auf Ihre eigenen Bestandsberichte übertragen. So wird sichergestellt, dass Sie das Erlernte unmittelbar umsetzen und sofort spürbare Verbesserungen erzielen.
Gönnen Sie Ihrer BI-Abteilung ein Update – Jetzt anfragen!
Mag. Mario Rosenfelder
Geschäftsführer (CEO)